Einfach Vorsorgen bei Osteoporose
Die kombinierte Gabe von Kalzium- und Vitamin-D senkt das Myokardinfarkt-Risiko
Bedingt durch die hohe Prävalenz kann Osteoporose durchaus als Volkskrankheit betrachtet werden. Immerhin sind rund 11 Prozent der Bevölkerung, in der Mehrzahl Frauen, davon betroffen. Univ. Prof. Dr. Heinrich Resch, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Knochen und Mineralstoffwechsel (ÖGKM) sowie Vorstand der II. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien, veranschaulicht diese Zahlen: „Das statistische Risiko einer Frau, sich den Oberschenkelhals zu brechen, ist genauso groß wie das Erkrankungsrisiko für Brust-, Gebärmutter- oder Eierstockkrebs zusammen.“
Das Tückische an Osteoporose ist, dass die Krankheit oft jahrelang nicht erkannt wird. Prof. Resch dazu: „Zum Glück hat sich in den vergangenen Jahren im Bereich der Awareness aber auch in Bezug auf Diagnose und Therapie sehr viel getan. In Anbetracht der demografischen Veränderungen dürfen wir die Krankheit aber trotzdem nicht aus den Augen verlieren.“
Gefahr durch Kalzium-Monotherapie
Da der Körper für den Aufbau der Knochen Kalzium benötigt, galt die Verabreichung von Kalzium und Vitamin D in den vergangenen Jahren als Basistherapie, wobei Vitamin D sehr oft nur deshalb mitverabreicht wurde, da es den Einbau von Kalzium in den Knochen unterstützt. Legte man früher bei der Substitution von Kalzium das Augenmerk primär darauf, die Balance zwischen Kalzium und Phosphat nicht zu stören, weiß man heute, dass auch die Bedeutung von Vitamin D über die unterstützende Funktion hinaus geht und nicht zu unterschätzen ist. Eine 2010 im British Medical Journal erschienen Publikation (Bolland et al. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed) weist auf einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Kalziumsupplementen und einer Erhöhung kardiovaskulärer Ereignisse hin.
Prof. Resch dazu: „In dieser Untersuchung wurden nur Studien berücksichtigt, die keine zusätzlich kombinierte Vitamin D-Supplementation vorsahen. Die Myokardinfarktrate bei den mit Kalzium behandelten Patienten war um 30 % höher als in den Placebogruppen. Die Ursachen dieser Kalzium-Myokardinfarkt Assoziation sind zurzeit nur spekulativ. Wir sollten sie aber trotzdem ernst nehmen, bis die Ursache endgültig geklärt ist und bis dahin Kalzium ausschließlich in Kombination mit Vitamin D verabreichen.“
Da offensichtlich kein Zusammenhang zwischen kardialen Ereignissen und der verstärkten Aufnahme von Kalzium aus der Ernährung besteht, vermuten Experten derzeit, dass der Unterschied möglicherweise in der Geschwindigkeit des Serum Kalziumanstieges liegt, der ja nach Einnahme elementaren Kalziums rascher erfolgt. Darüber hinaus bestätigen sie einen Zusammenhang zwischen vermehrtem Auftreten von kardialen Ereignissen bei Patienten mit Niereninsuffizienz, die zusätzlich Kalziumsupplemente einnehmen.
Neue Therapieansätze durch Osteoimmunologie
Vitamin D ist aber nicht nur für den Kalziumstoffwechsel und die Verminderung des Myokardinfarktrisikos bei der Kalzium-Therapie wesentlich. Es spielt auch eine entscheidende Rolle für die Körperabwehr, denn es moduliert die Funktion von T-Zellen und anderen Immunzellen. Die Wirkweise von Vitamin D ist aber nur ein Beispiel für den engen Zusammenhang, der in vielen Bereichen zwischen dem Immun- und dem Knochensystem besteht. Diese Wechselbeziehung ist Gegenstand der Osteoimmunologie, einem Forschungsgebiet, das rapide an Bedeutung gewinnt. Univ.-Prof. Dr. Peter Pietschmann, Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung, Abteilung für Zelluläre und Molekulare Pathophysiologie und President elect der ÖGKM über die Osteoimmunologie: „In der Osteoimmunologie gehen wir der Frage nach, wie das Immunsystem und seine Komponenten den Knochenumbau regulieren, wie der Knochen auf die Immunzellen (z. B. Lymphozyten) wirkt und welche Faktoren auf welche Weise die Balance zwischen Knochen und Immunsystem beeinflussen.“ Ziel ist die Entwicklung neuer Behandlungsansätze, die die Knochenzerstörung stoppen.“ Die Osteoimmunologie scheint diesem Ziel Schritt für Schritt näher zu kommen, denn: Mit der Entdeckung des RANKL/RANK/Osteoprotegerin-Systems wurde nicht nur ein wesentlicher Mechanismus des Knochenumbaus erforscht, sondern auch die Verknüpfung von Immun und Knochensystem aufgezeigt. Prof. Pietschmann dazu: „Aktuelle präklinische und klinische Daten sprechen dafür, dass die Blockade des RANKL einen neuen Therapieansatz bei Osteoporose, entzündlichen Gelenkserkrankungen oder Knochenmetastasen darstellen könnte.“
Über Osteoporose
In Österreich sind etwa 700.000 Menschen von Osteoporose betroffen, 83 Prozent davon sind Frauen. Dennoch wird die Erkrankung häufig nicht oder zu spät erkannt und nur jede/r Fünfte mit osteoporosespezifischen Medikamenten behandelt. Statistisch gesehen erleiden 4 von 10 Frauen und 2 bis 3 von 10 Männern im Laufe ihres Lebens eine osteoporotische Fraktur. Die Folgen von Osteoporose bedingten Frakturen sind dramatisch: die Lebensqualität der PatientInnen sinkt deutlich, da ihre Mobilität eingeschränkt ist und sie von fremder Hilfe abhängig sind, die Sterblichkeit ist stark erhöht und die Kosten für die medizinische Erstversorgung aber auch für die Nachbetreuung und die lebensbegleitenden Maßnahmen sind enorm. Die Krankheit bleibt oft jahrelang unerkannt, weil der Verlust der Knochendichte unauffällig voranschreitet. Erst beim Auftreten von Knochenbrüchen wird die Krankheit wahrgenommen.
Zu den medikamentösen Standardtherapien bei Osteoporose zählen vor allem Bisphosphonate. Weiters wird Osteoporose auch mittels Selektiver Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERM), Parathormon, Strontiumranelat und Kalzitonin behandelt. Seit Mai 2010 ist ein Rank-Ligand-Inhibitor in der Therapie der Osteoporose in Österreich zugelassen. Vor allem Frauen nach der Menopause und mit erhöhtem Frakturrisiko steht mit diesem Biologikum eine echte Alternative zu bisherigen Therapien zur Verfügung.
20 Jahre ÖGKM
Das Ziel der Österreichischen Gesellschaft für Knochen und Mineralstoffwechsel (ÖGKM) ist die Förderung der experimentellen und klinischen Forschung, Lehre und Praxis auf dem Gebiet des Knochens und Mineralstoffwechsels im allgemeinen, die Förderung der fachlichen und kollegialen Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaftlern, Medizinern und Veterinärmedizinern in Wissenschaft und ärztlicher Praxis, sowie die entsprechende Vertretung der auf dem Gebiet des Knochens und Mineralstoffwechsels tätigen österreichischen Wissenschaftler gegenüber dem Ausland. Die Gesellschaft wurde 1991 gegründet.
Links
Österreichische Gesellschaft für Knochen und Mineralstoffwechsel: www.oegkm.at
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