Neues Zeitalter in der Multiple Sklerose Therapie
Weltweit erstes orales Medikament bietet mit neuem Wirkmechanismus Hoffnung für Betroffene
Für Patienten mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose bricht eine neue Ära an, denn die Europäische Arzneimittelkommission (EMA) hat den neuen Wirkstoff Fingolimod* positiv bewertet und zugelassen. Damit steht schwer betroffenen MS Patienten das weltweit erste orale MS Präparat zur Verfügung.
Wien, 4. Mai 2011. MS ist eine Krankheit des zentralen Nervensystems, die bis dato nicht heilbar ist und die häufigste neurologische Krankheit im jungen Erwachsenenalter darstellt. Zwei Drittel der ca. 8.000 bis 10.000 MS Patienten in Österreich sind Frauen, die Angst vor einer massiven Behinderung ist groß. Prim. Dr. Ulf Baumhackl, Facharzt für Neurologie und Vorsitzender des Ärztlichen Beirates der Österreichischen Multiple Sklerose Gesellschaft, dazu: „Multiple Sklerose ist eine ernstzunehmende Krankheit des Zentralen Nervensystems, die unbehandelt zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen führen kann. Wir als Neurologen teilen mit unseren Patienten in Österreich die Hoffnung, dass MS zunehmend effizienter therapiert werden kann. Im Alltag sind wir leider immer wieder mit vielen Vorurteilen konfrontiert, die man der Krankheit wie den Erkrankten entgegenbringt. MS hat viele Gesichter, aber sie ist nicht ansteckend, nicht erblich und keine Geisteskrankheit."
Der Verlauf der MS ist unterschiedlich; Therapieziel ist es, den Krankheitsverlauf in Schach zu halten
Neurologen unterscheiden zwischen schubförmig remittierender, primär progredienter und sekundär progredienter Multipler Sklerose. Die Krankheit entsteht, weil es im Zentralnervensystem (ZNS) zu Entzündungen kommt, die zu einer herdförmigen Auflösung der Myelinschicht, zu so genannten Läsionen, führen. Dadurch verlieren die Nerven ihre Leitfähigkeit und Informationen können nicht mehr weitergegeben werden. Die Symptome der Krankheit hängen davon ab, welche Teile des ZNS von der Entmarkung betroffen sind. Typische Beschwerden sind Sehstörungen, Gleichgewichtsprobleme, Beeinträchtigungen der Bewegungs-fähigkeit, Gehstörungen und kognitive Probleme.
Fingolimod* - weltweit erste orale Therapie
Bei der Therapie von MS wird zwischen der Schubtherapie, der Langzeittherapie und der Behandlung symptomatischer Beschwerden unterschieden. Während in der Schubtherapie Kortison zum Einsatz kommt, werden in der Langzeittherapie vorwiegend immunmodulierende und immunsuppressive Wirkstoffe angewendet.
Mit der europäischen Zulassung von Fingolimod* ist nun das weltweit erste oral verabreichte Medikament mit neuem Wirkmechanismus auf dem Markt, das in der Langzeittherapie eingesetzt wird.
Univ. Prof. Dr. med. Karl Vass, Facharzt für Neurologie an der Universitätsklinik für Neurologie und Präsident der Wiener MS Gesellschaft dazu: „Wir sind heute in der glücklichen Lage, über eine ganze Bandbreite an hochwirksamen MS Therapien zu verfügen. Das verschafft uns den Vorteil, die Wahl des Arzneimittels an die Bedürfnisse und Lebensumstände der PatientInnen angleichen zu können. Mit Fingolimod* steht uns nun die weltweit erste orale Therapieoption zur Verfügung.“
Innovativer Wirkmechanismus
Fingolimod* ist die synthetische Nachbildung einer Substanz, die in der Natur in Pilzen vorkommt und immunmodulierend wirkt. Univ. Prof. Dr. Franz Fazekas, Facharzt für Neurologie und Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Graz erläutert: “Fingolimod* gehört in die Gruppe der Immunmodulatoren, weil es die körpereigenen Immunzellen nicht abtötet, sondern einen Teil der Lymphozyten dabei hemmt, aus dem lymphatischen System in die Blutbahn und damit letztlich ins Gehirn zu gelangen.“ Daraus resultiert zwar eine erhöhte Konzentration der Immunabwehrzellen im lymphatischen System, die für diesen Bereich aber nicht ungewöhnlich ist. Auch die allgemeine Immunüberwachung und die Immunabwehr in peripheren Geweben werden offensichtlich dadurch nicht gestört. Prof. Fazekas ergänzt: „Da Fingolimod* damit weitere und wiederholte Entzündungsprozesse im Gehirn verhindert, werden einerseits neue Schäden verhindert, andererseits bekommen körpereigene Reparaturvorgänge im ZNS wieder die Möglichkeit kleine Schäden an der Myelinschicht auszugleichen und das Neuauftreten von Symptomen und ihre Verschlechterung wird gestoppt.“
Studienergebnisse überzeugen
Univ. Prof. Dr. Thomas Berger, Leiter der AG Neuroimmunologie und Multiple Sklerose an der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck und Obmann der Tiroler MS Gesellschaft, führt aus: „Mit Fingolimod* steht uns eine vielversprechende Therapieoption zur Verfügung. In einer großen Phase-III-Studie wurde nachgewiesen, dass der Wirkstoff Fingolimod* die jährliche Schubrate, die Behinderungsprogression und die Zahl der entzündlichen Hirnläsionen bei MS-PatientInnen günstig beeinflussen kann. Auf Basis dieser Studiendaten hat die Europäische Arzneimittelkommission (EMA) nun Fingolimod* zur Behandlung von PatientInnen mit schubförmig remittierender MS, die trotz Interferon-Therapie weiterhin eine hohe Krankheitsaktivität aufweisen, zugelassen.“ Fingolimod* darf außerdem bei Personen, die unter zwei oder mehr behindernden Schüben pro Jahr leiden und dabei mindestens einen aktiven Herd in der Kernspintomografie zeigen, ohne Vorbehandlung eingesetzt werden. Prof. Berger weiter: „Natürlich spielt die Art, wie eine Therapie angewandt wird, auch eine große Rolle. Je einfacher eine Therapie anzuwenden ist, desto leichter kann man sie in einen normalen Alltag einbauen. Es ist ein großer Vorteil, wenn die Betroffenen ihr Medikament selbstständig einnehmen können und dazu nicht den Arzt aufsuchen müssen. Im Gegensatz zu den bisher erhältlichen Medikamenten wird Fingolimod*, Handelsname Gilenya®**, einmal täglich oral eingenommen.“
Jede Therapie muss auch auf die Lebensqualität der Betroffenen achten
Da MS häufig junge Menschen trifft, die am Beginn ihrer Karriere und am Anfang der Familienplanung stehen, ist es wesentlich, die Behandlung auf ihre jeweilige Lebenssituation abzustimmen. Eine Kapsel ist für Menschen, die beruflich reisen, ebenfalls leichter mitzuführen als zum Beispiel eine Infusion oder Spritzen. Univ. Prof. Dr. med. Karl Vass, Facharzt für Neurologie an der Universitätsklinik für Neurologie und Präsident der Wiener MS Gesellschaft betont: „Die Vereinfachung des Alltags und der Therapieeinnahme spielen für die Betroffenen eine große Rolle, da sie häufig nicht nur mit der Krankheit selbst, sondern auch mit ihren Begleitumständen zu kämpfen haben.“ Bei der Bewältigung der erwähnten Begleitumstände der Krankheit helfen auch die Multiple Sklerose Gesellschaften in Österreich. Prof. Vass dazu: „Die Wiener MS Gesellschaft unterstützt die MS Patienten dabei, ihr Leben an die neue Situation anzupassen. Neben umfassender Information über die Krankheit werden auch psychologische und sozialrechtliche Beratung geboten.“
Novartis
Novartis bietet medizinische Lösungen an, um damit auf die sich verändernden Bedürfnisse von Patienten und Gesellschaften auf der ganzen Welt einzugehen. Das Unternehmen ist ausschließlich auf den Gesundheitssektor ausgerichtet und verfügt über ein diversifiziertes Portfolio, um diese Bedürfnisse so gut wie möglich zu erfüllen - mit innovativen Arzneimitteln, kostengünstigen generischen Medikamenten, Impfstoffen und Diagnostika zur Vorbeugung von Erkrankungen sowie Consumer-Health-Produkten. Novartis ist das einzige Unternehmen mit führenden Positionen in diesen Bereichen. Im Jahr 2010 erzielten die fortzuführenden Geschäftsbereiche des Konzerns einen Nettoumsatz von USD 50,6 Mrd. Der Konzern investierte rund USD 9,1 Mrd. (USD 8,1 Mrd. unter Ausschluss von Wertminderungen und Abschreibungen) in Forschung und Entwicklung. Novartis hat ihren Sitz in Basel (Schweiz). Die Novartis Konzerngesellschaften beschäftigen rund 119 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Vollzeitstellenäquivalente, einschließlich 16 700 Mitarbeitender von Alcon) in über 140 Ländern. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.novartis.com.
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