Brustkrebszentren: maximale Sicherheit für Betroffene
Brustzentren bedeuten für betroffene Frauen ein Maximum an Sicherheit im Umgang mit der Krankheit. Von Anfang an wird die Plastische Chirurgie im fächerübergreifenden Konzept hinzu gezogen. Eine Tatsache, die den betroffenen Frauen Mut macht und Hoffnung gibt.
Die Diagnose Brustkrebs bedeutet für die betroffene Patientin in erster Linie einen Schock. Befragungen bei Betroffenen haben ergeben, dass neben den „Nebenwirkungen“ der eigentlichen Behandlungen, wie Chemotherapien oder zielgerichtete Therapien, vor allem die Angst und das Unbehagen vor möglichen Entstellungen nach Amputation oder Gewebsentnahme der Brust im Vordergrund stehen. „Es ist eine zentrale Aufgabe der plastischen Chirurgie und die Hauptaufgabe eines interdisziplinären Brustzentrums, die Frauen umfassend zu betreuen und ihnen dabei zu helfen, die Angst vor der Krankheit zu bewältigen“, erläutert Univ.Prof.Dr.med. Gerhard Pierer, Vorstand der Univ.-Klinik f. Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie an der Medizinischen Universität Innsbruck und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC).
Bis zu elf Prozent aller Frauen werden in Österreich im Laufe ihres Lebens mit der Diagnose „Brustkrebs“ konfrontiert. Circa sieben Prozent aller Österreicherinnen, also jede 14. Einwohnerin, sind von Brustkrebs betroffen. Dank verbesserter Möglichkeiten im Bereich der Früherkennung besteht zwar eine erhöhte Chance auf vollständige Genesung, dennoch belastet der Brustkrebs die betroffenen Frauen stärker als wohl jede andere Erkrankung. Kommt es zu einem operativen Eingriff oder gar zur Entfernung einer Brust, können sich gravierende psychische Probleme einstellen. Viele Patientinnen fühlten sich, so Frau Prim. Prof. Dr. Maria Deutinger, Vorstand der Abteilung für Plastische- und Wiederherstellungschirurgie, KA Rudolfstiftung in Wien, nach einer Brust-Operation „nicht mehr richtig als Frau.“ Und sie führt weiter aus: „Die Erhaltung oder die zufriedenstellende Rekonstruktion der Brust ist daher wesentlich für das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen. Die Brustrekonstruktion ist Teil des Aufgabenbereichs der Plastischen Chirurgie, weshalb auch dort die Entscheidung über die entsprechende OP-Methode liegt.“
Interdisziplinarität ist für die Brustkrebspatientin wesentlich
In den österreichischen Brustkrebszentren werden Brustkrebspatientinnen von einem interdisziplinären Expertenteam in allen Phasen der Krankheit optimal betreut. Nach dem Prinzip „Spezialisten unter einem Dach“ arbeiten ÄrztInnen der Fachrichtungen Gynäkologie, Onkologie, Radiologie, Strahlentherapie und Plastische Chirurgie gemeinsam mit PsychologInnen. Fast jede Frau hat die Möglichkeit, sich die Brust nach der Brustkrebsoperation wiederherstellen zu lassen. Die Wiederherstellung wird zwei bis drei Monate nach Ende der Nachbehandlung (Chemotherapie/Bestrahlung) vorgenommen.
In allen Stadien ist das erklärte Ziel der Brustkrebsbehandlung die vollständige Entfernung des Tumors. „Oftmals muss heute nicht mehr die gesamte Brust abgenommen werden, sondern es kann brusterhaltend operiert werden. Das heißt, dass nur der Tumor mit einem Randsaum aus gesundem Gewebe entfernt wird“, erklärt Frau Prof. Deutinger.
„Onko-plastisch richtig handeln” bedeutet, von Anfang an dem Krebsleiden (onko), wie auch der körperlichen Integrität und der Ästhetik (plastisch) Rechnung zu tragen. "Konkret heißt das für uns plastische Chirurgen, wir sitzen von Anfang an bei jeder Fallbesprechung mit unseren KollegInnen aus der Gynäkologie, der Allgemeinchirurgie, der Pathologie, der Radiologie, der Strahlentherapie und der Onkologie sowie speziell ausgebildeter „Breast Care Nurses“ zusammen“, sagt Prim. Priv.-Doz.Dr. Matthias Rab, Vorstand der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Klinikum Klagenfurt, der die interne Zusammenarbeit am Campus besonders lobt. Denn dem Zusammenschluss von Experten zugunsten der betroffenen Brustkrebspatientin wird auch am Klinikum Klagenfurt/Wörthersee entsprechend Rechnung getragen.
„Tatsächlich hat sich bei der Erhaltung oder der Rekonstruktion einer von Krebs befallenen Brust in den vergangenen Jahren viel getan“, ergänzt Prof. Pierer. Galt früher die Rekonstruktion eines Brusthügels durch ein Silikonimplantat als Maß der Dinge, gibt es heute Alternativen. So gelingt es zum Beispiel mit Eigengewebe, eine sehr viel natürlichere Brustform zu rekonstruieren. Bisweilen bietet es sich an, die Brustrekonstruktion zeitgleich mit dem Eingriff der Tumorentfernung vorzunehmen. In anderen Fällen ist es ratsamer, dass die Patientin erst das Tumorleiden besiegt und sich nach einer Phase der Erholung in aller Ruhe dem Wiederaufbau ihrer Brust widmet.
„Uns steht mittlerweile eine Vielzahl an Techniken und Kombinationen von Verfahren für den Brustaufbau zur Verfügung, so dass eine individuelle, auf die Patientin abgestimmte Methode gefunden wird. Jede Patientin wird vom Gynäkologen oder Chirurgen und Plastischen Chirurgen gemeinsam gemäß ihrer individuellen Situation beraten“, fasst Prof. Pierer zusammen.
Der Trend geht heute eindeutig in Richtung Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe ohne Verwendung von Fremdmaterial. Das benötigte Gewebe kann vom Unterbauch, vom Gesäß, vom Oberschenkel oder vom Rücken entnommen werden.
Das Ergebnis ist, bestätigt eine ehemalige Patientin, sehr vorzeigbar: die Kunst der Plastischen Chirurgen ist v.a. durch das gute Miteinander der Fachdisziplinen möglich, denn längst ist es Standard, dass selbst die Brustwarze einer neu aufgebauten Brust nachträglich hergestellt werden kann.
Optionen für Patienten mitgestalten
Univ.-Prof.Dr.med. Stephan Spendel, supplierender Leiter an der Klinischen Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie der Medizinischen Universität Graz, stimmt seinen KollegInnen zu und ergänzt: “Als Plastischer Chirurg freue ich mich sehr, dass unser Fach am Brustzentrum Graz von Anfang in die Betreuung der BrustkrebspatientInnen eingebunden ist. Damit können wir die Therapiemöglichkeiten für die Betroffenen voll ausschöpfen und darüber hinaus die PatientInnen in der Steiermark optimal versorgen.” Das Brustzentrum in Graz hat Anfang dieses Jahres die Zertifizierung erhalten. Die Nachsorge von BrustkrebspatientInnen ist individuell unterschiedlich und nicht zuletzt vom Tumortyp und seinem Stadium abhängig. Prinzipiell soll die Nachsorge lebenslang erfolgen.
Qualitätskriterien für Brustkrebszentren
Die Österreichischen Brustkrebszentren müssen folgende Voraussetzungen bieten:
Einheitliche Qualitätskriterien
• Interdisziplinär zusammengesetztes Team
• Angebot von Kernleistungen wie bildgebende Diagnostik, Operation, Strahlentherapie, Pathologie und internistische Onkologie im Brustzentrum
• Verfügbarkeit von zusätzlichen Leistungen wie Physiotherapie, Psychoonkologie, Plastisch-Rekonstruktive Chirurgie, genetische Beratung.
Siehe dazu auch Quelle:
http://www.aco-asso.at/manual/aktuell/mammaneu/20/kap_05.html
ÖGPÄRC
Website der Gesellschaft: www.plastischechirurgie.org
Hotline der Gesellschaft: 0820 820 600
Website der 49. Jahrestagung: www.plast-congress-2011.org
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